Flachsrotteninteressentenschaft Trögen

  1. Erster Vorsitzender
  2. Detlev Vohrmann
  3. Unterdorfstraße 10
  4. 37181 Hardegsen-Trögen
  5. 05505/5769

Rotten und Trocknen

Der Flachsstängel besteht aus einem Holzkörper, umgeben von einer dünnen Rinde, in die gruppenweise die langgestreckten Fasern eingebettet sind. Durch die weitere Bearbeitung werden die Bastfasern von dem Holzkern getrennt und aus dem Rindengewebe gelöst. Durch das Rotten oder Rösten in der sog. Wasserrotte wurden die holzigen Teile des Stängels brüchig und mürbe gemacht, so daß eine mechanische Trennung möglich wurde.

Zum Verrotten wurden die Flachsbündel mit den Wurzelenden nach unten dicht an dicht in flaches Wasser gestellt. Seit dem Ende des 17.Jahrhunderts wurde im Braunschweigischen die Anlage von besonderen Wasserlöchern, sogenannter Rottekuhlen, von der Obrigkeit zum Schutz der Gewässer verordnet.

Das Flachsrotten in Teichen, Flüssen und Bächen dagegen wurde unter Strafe gestellt, da die Verunreinigungen durch faulende Pflanzenteile Fischsterben verursachten. Während des Gärungsprozesses musste der Flachs stets mit Wasser bedeckt bleiben. Damit er nicht an die Oberfläche treiben konnte, wurden die Bündel mit Stroh, Brettern und Steinen abgedeckt und heruntergedrückt. Erfahrene Personen überwachten diesen Vorgang, entnahmen Proben und legten den Zeitpunkt fest, an dem der Flachs aus dem Wasser genommen werden musste. Im Allgemeinen dauerte dies etwa zwei bis drei Wochen. Die Dauer des Rottens war abhängig von der Außentemperatur und dem Kalkgehalt des Wassers. Nachdem man der Flachs aus dem Wasser gezogen hatte, wurde er zum Nachtrocknen auf einer Wiese ausgebreitet.

Verkoppelungsinteressentenschaft Trögen
- ehem. Flachsrotten -

Am Westhang der Weper, südlich des Ortsausganges, befinden sich in der Flur „Auf dem Pfingstanger“ die ehemaligen Flachsrotten von Trögen (235 m ü. NN). Genau hier an dieser Stelle, taucht die Buntsand-steinplatte des Sollings unter die Muschelkalkablagerungen des Weper-höhenzuges. Das Auftreten mehrerer Verwerfungsquellen gerade in diesem Bereich begünstigte die Anlage einer sogenannten Flachsrotte. Es handelt sich dabei um eine handtuchartige Fläche von 2210 m², welche in 49 Parzellen von annähernd gleicher Größe (8 x 6 m) aufge-teilt ist. Diese sind rechtlich untrennbar an 45 Grundstücke von alt eingesessenen Hofstellen gebunden und können aus diesem Grund nur verpachtet werden. Der Pachtzins beträgt 0,52 € pro Flächenanteil und wird hauptsächlich zur Begleichung der Grundsteuer verwendet.

Noch bis in die Zeit des 1. Weltkriegs, also vor gut 90 Jahren, wurde der Flachs zum Verrotten in die Mulden gebracht. Wie das „Rösten“ des Flachses damals vor sich ging, kann im Artikel „Rotten und Trocknen“ nachgelesen werden. Nach dem Einstellen des Flachsanbaus und seiner Verarbeitung wurden die „Raten“, wie sie im Ort auch genannt werden, als Kleingärten weiter genutzt. Auch diese Nutzungsform ist in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen. Heute sind es lediglich noch vier Raten, die auf diese Weise bewirtschaftet werden.

Die Natur eroberte sich ihr Territorium langsam aber stetig zurück. Etwa die Hälfte der ehemaligen Flachsrotten ist heute bereits unter Naturschutz gestellt und sich selbst überlassen worden. Sie bilden ein in sich geschlossenes Biotop. Gemeinsam mit der Naturschutzbehörde wurde ein Plan entworfen, im oberen Teil einige Flachsrotten wieder frei zu legen und in den ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. Am entgegengesetzten südwestlichen Ende befindet sich traditionell der Osterfeuerplatz der Ortschaft.

Die Entstehung der Verkoppelungsinteressentenschaft geht auf die Flurbereinigung im 19. Jahrhundert zurück. Die heutige Rechtsform ist ein Realverband. Im Zweijahresrhythmus wird vom Vorstand eine Mitgliederversammlung einberufen, auf der alle wichtigen Fragen zur Sprache gebracht werden.

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